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verweise

Das Recht auf Identität
-
Von Anti-Speziesismus und Odalismus

Ein Kommentar zur Weltlage aus dem Herzen des Neuheidentums

Kellerkomik

1 Vorwort

2 Falscher und wahrer Speziesismus
2.1 Eine naive Ableitung
2.2 Fehler der Ableitung
2.3 Die Redefinition
3 Identitätsrecht und Odalismus
3.1 Das Identitätsrecht
3.2 Die wahren Chauvinismen
3.3 Soziale Identität und Nationalismus
3.4 Odalismus

4 Fazit

1. Vorwort
Zu den verstörendsten Anblicken unserer Zeit gehören Schnellrestaurants im Hochbetrieb. Lawinen von Fett füllen Kassenschlangen, nur um sich hernach vollbeladen mit Biomasse, die das Prädikat Nahrung nicht verdient, wieder über die Straße zu ergießen. Und macht einen der Anblick nicht fertig, so tut es die Vorstellung, mit welcher Geringschätzung, ja Verachtung, ehemals lebendes Fleisch in schleimige Mäuler verschwindet. Nicht einmal wenn uns von Filialen auf der ganzen Welt die gleiche clownsgesichtige Fratze anglotzt, merken wir, wie diese kulinarische Selbstvergiftung bloß das Symptom einer globalen Krankheit ist. Griller und Kassierer sind die Priester des Konsums, einer nihilistischen Religion, die uns erfolgreich an einem wunden Punkt angreift. Wir sind geschwächt und demotiviert vom lebensverachtenden, todesverherrlichenden und weltfremden Christentum, und wollen ein neues Heil, ein möglichst billiges und schnelles Glück. Wir wollen die Millisekunde, in der ein Konglomerat aus Fleisch, Geschmacksverstärkern und prallgefüllten Shoppingtaschen unser Belohnungsystem im Gehirn zu Tode fickt. Auf dem Altar des Konsums opfern wir die ganze Welt und die Sucht zwingt uns immer zu mehr, mehr, mehr.
Mit der Einsicht stellt sich die Frage, ob diese Respektlosigkeit vor Tier, Mensch und Umwelt ein und dieselbe Ursache hat, und ob es eine Idee gibt, die uns dazu inspirieren kann, sie zu bekämpfen und ein höheres Ideal der Nachhaltigkeit zu verfolgen. Unsere Probleme wurzeln in gleichen Denkfehlern und laufen auf dieselbe Lösung hinaus, die ich hier vorstellen will. Die Basis dafür ist eine grundsätzliche Revision unserer Sicht auf Tiere. Dies gilt auch und besonders für Tierrechtler, welche sich gerne als Anti-Speziesisten bezeichnen.


2. Falscher und wahrer Speziesismus
2.1 Eine naive Ableitung
Der Begriff "Speziesismus" wurde zuerst 1970 vom britischen Psychologen Richard Ryder definiert. Menschen, die Speziesisten sind, glauben demnach, dass sie als Menschen höhere Rechte und Privilegien als Tiere besitzen und ihnen überlegen sind. Dies nennt er Artenarroganz. Durch sie werden Ausbeutung, Quälung und Tötung der angeblich niederen Spezies gerechtfertigt. Ryder zieht hier außerdem einen Parellele zu Rassismus und Sexismus und behauptet, es handele sich um die gleiche Denkweise [9]. Letztere Aussage unterliegt einem großen Irrtum, nämlich das Menschen sich bei solchen unumstritten bösen Weltanschauungen an Lexikondefinitionen halten.

Was sind Rassismus und Sexismus eigentlich? Die intuitive Antwort der aufgeklärten, toleranten Masse ist: Die Ungleichbehandlung von Menschen verschiedener Rassen oder Geschlechter.
Der Kampf dagegen scheint einfach, solange unsere brave Gesellschaft ein Grundprinzip verinnerlicht: Wir alle sind gleich, niemand ist verschieden. "Anti-Rassisten" und "Anti-Sexisten" müssen sich also dafür einsetzen, dass alle Gruppen gleich behandelt werden, und zwar auf Teufel komm raus. Mit dieser Sicht wachsen wir heute auf, ungeachtet vom Aufschrei weniger, die diese grobe Vereinfachung und ihre abstrusen Konsequenzen anzweifeln. Solche Konsequenzen sind zum Beispiel Frauenquoten, wie jene, die die damalige SPD-Bundesministerin Christine Bergmann im Jahr 2001 in der privaten Wirtschaft einzuführen versuchte [13]. In anderen europäischen Ländern existieren solche Zwangskontingente bereits, wie in Norwegen seit 2006 in den Verwaltungsräten der größeren Unternehmen [14].

Auf der Basis dieser Vorstellungen von Rassismus und Sexismus definieren viele Menschen, die sich für Tierschutz einsetzen wollen, den Speziesismus [18]. Dieser sei exakt das gleiche, nur eben auf Tiere angewandt. Wenn ein Mensch einem Tier nicht die gleiche Behandlung zuspricht, wie sich selbst, dann ist er ein Speziesist.
Dieses Argument hat eine gewaltige Einschlagskraft, schließlich bedeutet es, dass alle Menschen, die Fleisch, Milch und Eier essen, Leder kaufen und Tierversuche billigen, einem Denkmuster folgen, dass dem gefürchteten Ethnozentrismus des dritten Reiches nicht nur ähnelt, sondern eindeutig parallel läuft. Einige Tierrechtler beschuldigen Fleischkonsumenten rundheraus, dass sie wie die "Nazis" des Dritten Reiches denken und handeln [16]. So wie wir heute unsere Mitwesen töten und ausbeuten bestehe kein Unterschied zur Ideologie der Nationalsozialisten, so lautet die Anklage.

2.2 Fehler der Ableitung
Diese Form des Antispeziesismus ist natürlich umstritten, nicht zuletzt von den judäo-christlichen Religionen, die Tieren nicht den gleichen sogenannten göttlichen Geist der Menschen zuschreiben. Im Moment soll uns aber nur ein spezieller Kritikpunkt interessieren.

Wenn man Speziesismus naiv als Ungleichbehandlung und dementsprechend Antispeziesismus als Gleichbehandlung von Tier und Mensch definiert, muss man entweder den Menschen wie ein Tier behandeln oder das Tier wie einen Menschen. Beides ist offensichtlicher Unsinn. Einen Menschen sollte man nicht nackt in die sibirische Tundra stellen und ein Rentier sollte man nicht vor das Kaminfeuer fesseln. Eine Definition des Speziesismus über die angeblich verwerfliche Ungleichbehandlung von Mensch und Tier ist also schon von Grund auf verkehrt und widerspricht der eigentlichen Idee Ryders (die Artenarroganz, also unrechtmäßige Höherstellung). Wie wir wissen ist es jedoch genau diese Definition (die Ungleichbehandlung), die uns beim Rassismus und beim Sexismus intuitiv richtig erscheint. Den Speziesismus aus diesen beiden abzuleiten ist also der gänzlich falsche Weg.

2.3 Die Redefinition
Eine weitere Definition des Speziesismus stammt vom australischen Philosophen Peter Singer. Er schreibt 1979:

"Speziesismus [...] ist ein Vorurteil oder eine Haltung der Voreingenommenheit zugunsten der Interessen der Mitglieder der eigenen Spezies und gegen die Interessen der Mitglieder anderer Spezies." [11]

Singer beruft sich damit auf sein Prinzip der gleichen Interessensabwägung, nach der jedes Lebewesen das Recht darauf hat, dass seine Interessen im Verhältnis zu denen der anderen Lebewesen gleich berücksichtigt werden. Diese Interessen sind unter anderem die Leidensfähigkeit und das Recht auf Leben. Kein Lebewesen darf in dieser Sache aufgrund seiner bloßen Spezieszugehörigkeit benachteilt oder bevorteilt werden. [10]

Durch diese Definition des Speziesismus ist der Verzehr von Pflanzen ethisch vertretbar, weil sie nicht leiden können wie ein hungerndes Tier. Würden wir uns stattdessen auf die gängige Definition verlassen (die über die Ableitung aus Rassismus und Sexismus), dürften wir nicht einmal das. Wir wären böse Reichisten (von Pflanzenreich und Tierreich), ganz abgesehen davon, dass wir uns durch die komplette klassische Systematik der Biologie durcharbeiten müssten, um der universellen Gleichbehandlung gerecht zu werden. Und wer darf dann noch behaupten, dass das Treten eines Steines nicht "materieistisch" ist? Singers Definition auf der Basis der gleichen Interessensabwägung zeigt uns jedoch: Wir müssen Lebewesen so behandeln, wie es ihr inhärenter Katalog von Eigenschaften und Interessen, ihre Identität, vorgibt. Und diese Eigenschaften sind oft alles andere als gleich.

In der Behandlung von Tieren müssen Menschen also die volle Breite ihrer Identität, berücksichtigen, und zwar nicht nur das Recht darauf, weder leiden noch sterben zu müssen. Ein Tier darf überhaupt nicht entgegen seiner Identität behandelt werden, wenn diese Behandlung seine Interessen als Tier verletzt. Das bedeutet, dass ein Tier einer bestimmten Spezies weder wie ein toter Gegenstand, noch wie ein Mensch oder irgendeine andere Spezies behandelt werden darf. Für ein Schwein ist es natürlich, sich im Dreck zu suhlen, während es in Hose und Hemd an den Küchentisch zu setzen Quälerei ist. Wir Lebewesen sind nicht gleich. Wir teilen manche Interessen (wie Leidensfähigkeit), aber nicht alle (wie Bedarf an Kleidung). Diese Interessen formen unsere Identität als Mitglied unserer Spezies, die immer respektiert und berücksichtigt werden muss. Dies ist der wahre Antispeziesismus.

Ironischerweise scheinen sich viele Tierrechtler genau daran nicht zu halten, wenn sie für Tierschutz werben. Oft hört man von Tieren, die sich in Käfighaltung "langweilen" und "ohne Perspektive" eingesperrt werden [2]. Selbst das Wort "inhuman" oder sogar frei heraus "unmenschlich" wird gerne im Bezug auf Quälung von Tieren verwendet, beziehungsweise "human" für angeblich artgerechte Behandlung [18]. Dabei ist auch die Vermenschlichung von Tieren, deren Herausreißen aus ihrer Identität, eine speziesistische Äußerung.


3. Identitätsrecht und Odalismus
3.1 Das Identitätsrecht
Es gibt also zwei Definitionen von Speziesismus. Die eine wird aus dem abgeleitet, was die breite Öffentlichkeit unter Rassismus und Sexismus versteht, und wie wir gesehen haben ist dies ein Trugschluss. Die andere Definition dagegen befreit den Speziesismus von den fehlerhaften Aspekten dieser Ableitung, wie der Antropomorphisierung und der zwangsweisen Gleichbehandlung, und präsentiert ein intuitiv nachvollziehbares Bild vom Recht jedes Lebewesens darauf, gemäß seiner Identität behandelt zu werden, in diesem Falle gemäß seiner Identität als leidensfähiges Lebewesen. Diese Idee ist das Identitätsrecht eines jeden Lebewesens.

3.2 Die wahren Chauvinismen
Durch dieses Recht können wir den Spieß umdrehen und erhalten eine angemessenere Sicht auf Rassismus und Sexismus. Laut Singers Prinzip der gleichen Interessensabwägung ist es uns verboten, die Interessen von Afrikanern gegenüber Europäern abzuwerten. Das Identitätsrecht geht allerdings weiter: Es verbietet uns, Afrikaner zwangsweise wie Europäer zu behandeln, nämlich dann, wenn es ihr Identitätsrecht als Afrikaner verletzt (was das genau heißt wird später erklärt). Allgemein gesagt: Menschen haben das Recht als Mitglieder ihrer Rasse behandelt und respektiert zu werden und sich sowohl gegen zwangsweise Ungleichschaltung (zB. Sklaverei) als auch gegen zwangsweise Gleichschaltung zu wehren. Zwangsweise Ungleichschaltung sowie Gleichschaltung sind beide Formen des wahren Rassismus. Das ist das Prinzip des Identitätsrechts.
Analog funktioniert dieses Recht im Dienste des Anti-Sexismus. Menschen haben das Recht, ihrem Geschlecht entsprechend behandelt und respektiert zu werden. Jede Form von zwangsweiser Ungleichschaltung und Gleichschaltung der Geschlechter ist sexistisch. Der Anti-Sexismus ist genauso wie Antispeziesismus und Anti-Rassismus ein Spezialfall des Identitätsrechts.

Was bedeutet dies konkret? Was zeichnet eigentlich die Identität eines "typischen" Europäers oder einer "typischen" Frau aus? Das ist die wirklich schwierige Frage, denn die Definition von chauvinistischen Handlungen ist extrem diskussionsbedürftig. Viele Deutsche würden wohl sagen, dass einem Immigranten nicht das Recht auf die Ausübung seiner Bräuche verwehrt werden darf. Umstrittener ist die Frage nach der doppelten Staatsbürgerschaft, und absolut tabu ist die Frage, ob bei der Vermischung der Gene ein Stück Identität verloren geht. Beim Sexismus ist es ähnlich. Eine Frau verdient Mutterschutz, ganz klar. Aber ihr Defizite in der Körperkraft im Vergleich zum Mann zu unterstellen oder gar zu behaupten, sie habe andere geistige Stärken und Interessen kratzt an der politischen Korrektheit. Und das, obwohl sich die Einsicht grundsätzlicher körperlicher Verschiedenheit inzwischen teilweise durchsetzt, wie das Institut für Geschlechterforschung am Berliner Uniklinikum Charité zeigt [15].
Die Lösung ist, das Identitätsrecht in der Theorie anzuerkennen und ihre konkreten Schlussfolgerungen in den allgemeinen Diskussionsraum zu stellen, beziehungsweise jedem selbst zu überlassen. Manchen Menschen ist ihre Identität vielleicht egal, andere würden sehr weit gehen, um sie zu schützen. Dürfen tun sie, allerdings nur unter bestimmten Bedingungen.

3.3 Soziale Identität und Nationalismus
Bisher lautet das Fazit: Ein Tier darf genauso wenig gequält werden wie ein Mensch von anderen versklavt werden darf. Ihr Identitätsrecht gibt ihnen das Recht, darauf zu verzichten. Damit sind wir aber ganz und gar nicht am Ende seiner Umsetzungsmöglichkeiten angelangt.

Die Frage, die sich jeder von uns stellen sollte, ist die: Welche anderen Aspekte und Merkmale an mir möchte ich respektiert wissen und verteidigen?
Einige Menschen, nehmen wir als Beispiel konkret wir Deutsche, würden auf diese Frage vielleicht antworten: Ich bin Europäer, ich bin Deutscher, ich bin Norddeutscher, ich bin Berliner, ich bin Schützenvereinsmitglied, ich bin Muttermal-auf-der-linken-Backe-Träger. Die Identität darf beliebig tief gehen, auch wenn es ab einem gewissen Grad schwer wird, sein Recht darauf gegenüber wichtigeren Interessen anderer Individuen zu verteidigen, wenn es darauf ankommt.
Dabei muss die Selbstdefinition nicht unbedingt etwas mit dem Genom zu tun haben. Die nationale Kultur, Volkskultur und Geschichte und Sprache formen unsere kulturelle Identität. Diese Merkmale dürfen verteidigt werden gegen Infiltration und Assimilierung unter Berufung auf das Identitätsrecht. Allerdings nur solange das Individuum konsistent ist und das gleiche Recht von Mitgliedern anderer Kulturen und Völker anerkennt. Falls jemand die Identitäten anderer Menschen für weniger schützenswert als seine eigene hält, handelt er ethnozentristisch, und Ethnozentrismus ist nicht mit dem Identitätsrecht vereinbar.

Die Idee, das Identitätsrecht auf Völkerebene anzuwenden, ist nicht neu. Dieses Prinzip wird im klassischen Nationalismus teilweise angewandt. Aber können wir den Begriff in diesem Zusammenhang wirklich benutzen?

Im Brockhaus von 2006 steht:
"Nationalismus: Sammelbezeichnung für politische Ideen und Bewegungen, die die Grenzen von Nation und Staat zur Deckung bringen wollen. Demgemäß kann der Nationalismus emanzipatorische, aber auch repressive, antiimperiale, aber auch aggressiv expansive Züge haben." [1]

Der Nationalismus hat also zwei Gesichter. Einerseits die selbstdefinierende, konstituierende und festigende Seite, andererseits die übersteigernde und unterdrückende Rolle als Platzhirsch im internationalen Geflecht der Völker. In jedem Falle ist Nationalismus aber nicht das gleiche wie Ethnozentrismus, die Hybris und Selbstherrlichkeit sowie Konstruktion und Verachtung aller "anderen"! Nationalismus ist grundsätzlich nicht verwerflich, allerdings war er in der Geschichte zu vielen Neuinterpretationen unterworfen und wird heute nicht in seiner eigentlich allgemeinen und wertefreien Bedeutung gesehen. Wenn man dem österreichischen Sprachphilosophen Ludwig Wittgenstein trauen darf, der sagte "Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache" [17], dann ist Nationalismus heute synonym mit der Wurzel des Bösen.

Obwohl das oben beschriebene Identitätsrecht wie der Vater des nationalistischen Gedankens scheint, sollten wir diesen Begriff also vermeiden. Nicht nur weil die Geschichte ihn verunreinigt hat, sondern auch weil er vollkommen unangemessen ist. Der Nationalismus fixiert sich auf relativ willkürliche "Nationen", ist viel unkonkret und allgemein, besitzt das üble Potential zum Ethnozentrismus (oder "Faschismus") und berücksichtigt andere wichtige Aspekte der Identität nicht, nämlich unsere Abstammung, unsere Mythologie und unsere Mutter Natur. Stattdessen bietet sich eine Begriffsalternative aus dem Neuheidentum an.

3.4 Odalismus
Wir wollen also unsere Identitäten definieren und gegenseitig respektieren. Unsere Identitäten als leidensfähige Lebewesen (Antispeziesismus), als Angehörige eines Volkes und einer Rasse (Anti-Rassismus), als Frau oder Mann (Anti-Sexismus), als Vertreter einer Kultur, einer Sprache, einer Geschichte, einer Mythologie und Volksphilosophie. Aber auch unsere Identität als Mensch, als Bewohner dieses Planeten und Teil des globalen Ökosystemes. Alle diese Aspekte beinhaltet die Philosophie des Odalismus.

Das Wort "odal" stammt aus dem urgermanischen *ôþalan oder altnordischen óðal und bedeutet Erbe, Abstammung, Besitz des freien Menschen, ererbtes Gut (Allodium) und Heimat. Entsprechend findet man im älteren Fuþark, der Runenschrift des Urgermanischen, als letzte der 24 Runen das Óþala (griech. Omega). Diese Rune ist das Symbol der odalistischen Philosophie.

BBImg

Der Odalismus selbst ist ein sehr junger Begriff, der mit dem Neuheidentum im späten 20. Jahrhundert aufgekommen ist, und deshalb bisher nur in wenigen Lexika aufgeführt oder genannt wird. Der Nachteil hieran ist, dass es weder eine zentrale Definition noch hunderte aktive Odalistenorganisationen gibt (was auch immer die machen würden). Zu seinem Vorteil ist er allerdings auch noch nicht durch den Fleischwolf der Geschichte gedreht. Im Netz findet man einige Artikel und Meinungen zu dem Thema, leider aber verwechseln die Gegner den Odalismus meist mit Nationalismus. Aus diesem Grund will ich hier kurz meine eigene Auffassung und ihre Bedeutung für das Identitätsrecht erklären. Die Grundlage für meine Erklärungen sind Artikel und Bücher zum Thema Mythologie und Heidentum (ua. die unten genannten), und natürlich die bereits bestehenden Texte zum Odalismus, mit denen ich weitgehend konform gehe.

Der Odalismus erkennt einige wesentliche Probleme unserer Zeit. Zum einen die fatale Negierung unserer kultureller und ethnischer Identität, unserer Wurzeln, und die daraus folgende Bildung eines verlustreichen Kompromisses zwischen den Völkern, des kleinsten gemeinsamen Nenners. Dieser ist unsere moderne Konsumkultur, welche die ganze Welt mit ihrer Fresssucht und ihrem Materialismus überschwemmt und die Einzigartigkeiten aller Völker im kulturellen Einheitsbrei zu ertränken droht.
Zum anderen erkennt er das Problem des Nationalismus, oder das was die meisten davon halten, der unsere Identitätskrise zwar korrekt feststellt, sie aber fast blind vor Wut dem vermeintlich Fremden anhängt, harte und schnelle Lösungen verlangt und dabei den globalen Zusammenhang aus den Augen verliert.

Odalismus dagegen bedeutet Respekt. Respekt vor unserer eigenen Identität, vor der aller anderen Wesen und vor der Natur. Ein Odalist ist sich über seine Rolle als Teil eines Ganzen bewusst, als einzelner Mensch unter vielen, sowohl räumlich als auch historisch. Er verurteilt den Individualismus als selbstsüchtig und rücksichtslos, und vertritt stattdessen eine holistische, also ganzheitliche Weltsicht, oder bemüht sich zumindest darum.

Odalisten sind deshalb global denkende Anti-Rassisten und Anhänger der Multikultur. Sie wollen die Vielfalt der Völker und Kulturen auf diesem Planeten erhalten, nicht durch repressive Methoden, sondern durch die Hoffnung auf Vernunft innerhalb der Meinungsvielfalt und in gegenseitiger Hochachtung. Dabei beanspruchen Odalisten das Recht darauf, ihre eigene kulturelle und ethnische Gruppe zu schützen und zu fördern, denn sie halten jede Form von Anpassung oder Übernahme für einen Akt wider der Natur des Individuums im Kontext seines Volkes. Deshalb ist diese Philosophie trotz der nordischen Herkunft ihres Namens für Menschen aller Völker anwendbar, wenn auch unter anderen Namen.

Odalisten sind außerdem der Meinung, dass der radikale Individualismus unserer westlichen Gesellschaft schädlich ist und einer Ideologie weichen sollte, die jedem einzelnen Menschen eine Verantwortung gegenüber dem Kollektiv zuspricht. Dieses Kollektiv ist nicht unbedingt die Nation (was ihnen so oft vorgeworfen wird), sondern kann je nach Streitthema von der näheren Familie bis zur globalen Menschheit gehen. Letzterer Fall ist besonders beim Umweltschutz interessant, ganz nach dem Motto "Think Globally, Act Locally" [12]. Odalisten wissen, dass der Mensch sich nicht von der Natur loslösen kann und darf, und deshalb eine Verantwortung für ihr Wohl besitzt. Denn sie ist ein Teil seiner Identität und darf nicht durch egoistische und individualistische Interessen zerstört werden. Umweltschutz ist keine Frage, sondern eine Bedingung für jedes weitere Handeln eines Odalisten. [4] [8] [3] [7] [6] [5]

Diese Philosophie ist damit eine ganz konkrete Anwendung des Identitätsrechts und zeigt, wie sehr es in unserer modernen Gesellschaft mit Füßen getreten wird. Manchmal ganz offen, wie im Falle der Tiere, deren Leidensfähigkeit ignoriert wird. Oft aber auch in scheinbar "guten Absichten", wenn wir gegen Rassismus und Sexismus kämpfen, oder zu kämpfen glauben. Schlussendlich ist es sogar die Rolle des Menschen als Teil der Natur, die ignoriert und verteufelt wird, und die der kurzfristigen Extase des Konsums in den wirtschaftlich erfolgreichen Ländern Platz machen muss. Diese Feststellung ist seit dem Aufkommen des Ökologismus und Kapitalismuskritik nichts neues mehr, aber sie erfährt im Odalismus einen wichtigen Fürsprecher.

Wichtig deshalb, weil der Odalismus zwar eine politisch ist, sich jedoch nicht auf das alte links-rechts-Spektrum versteift. Stattdessen vereint er ohne ideologische Versteifung die verschiedensten Ideen verschiedenster Weltanschauungen und hält das Gleichgewicht zwischen eben jenem modernen Pragmatismus und gesundem Idealismus, der sich besonders aus den neuheidnischen Idealen speist. Diese sind unter anderem Umweltschutz und die Ablehnung dogmatischer Religionen. Eine genaue Erklärung anderer Aspekte des Neuheidentums liefere ich in einem anderen Text.


4. Fazit
Wir wissen jetzt was der Wald-und-Wiesen-Speziesismus ist und dass seine falsche Definition aus so gängigen wie abstrusen Vorstellungen von Rassismus und Sexismus herrührt. Wir wissen auch, dass eine korrekte Definition des Speziesismus auf der Basis des Identitätsrechts dagegen eine Inspiration dafür liefert, wie man die Rechte von Menschen jeder Gruppe modernisieren, stärken und verteidigen kann, egal ob es um Rasse oder Geschlecht geht.
Wir haben außerdem festgestellt, dass dieses Prinzip auch auf soziale Gruppen, Völker und Kulturen anwendbar ist, dass unser Recht auf Identität jederzeit verteidigt werden darf, allerdings nicht ethnozentristisch ("wie die Nazis"), sondern unter gegenseitigem Respekt und Gleichberücksichtigung der Identitäten. Diese selbstverständlich scheinende Idee ist alles andere als in unserer Gesellschaft verankert und wird vor allem von denen negiert und verachtet, die sich für moralisch integer halten und sich mit "Gleichberechtigung aller Menschen" brüsten, die berühmten Gutmenschen.
Die Konsequenz hieraus ist die Philosophie des Odalismus. Sie liefert ein pragmatisches Leitmotiv für ethisches Handeln unter Einschluss des kompromisslosen Umweltschutzes und Bewusstseins über das Erbe der eigenen sozialen Gruppe, wie auch immer der einzelne es definieren will. Der Odalismus soll dabei nicht einfach nur eine weitere Schublade im Schrank der Weltanschauungen sein, sondern als Inspiration für eigene Überlegungen dienen. Nur ein odalistisch motiviertes Handeln kann die Menschheit in eine reiche Zukunft führen, in der sie aus der Globalisierung profitiert, ohne ihre größten Schätze der Vergangenheit zu verlieren.

Brautingi
(September 2009)


Referenzen
[1] Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus. Brockhaus. F.A. Brockhaus Leipzig-Mannheim, 2006.
[2] Easy-Vegan. Easy-Vegan-Film. http://aktion-umwelt.de/easy-vegan.
[3] Felix Genzmer. Die Edda. Heinrich Hugendubel Verlag Kreuzlingen / München, 1981 / 2006.
[4] Wolfgang Golther. Handbuch der Germanischen Mythologie. Marix Verlag Wiesbaden, 1895.
[5] Anders Baeksted. Nordiske guder og helte. Politikes Forlag A/S Koebenhavn, 2001.
[6] Edmund Mudrak. Nordische Götter und Heldensagen. Ensslin im Arena Verlag GmbH Würzburg, 1954.
[7] Heather O'Donoghue. From Asgard to Valhalla. I.B. Tauris & Co. Ltd London, 2007.
[8] Spinoza Ray Prozak. Odalism. http://www.anus.com/zine/articles/alexis/odalism, Mai 2006.
[9] Richard Ryder. Richard Ryder on Speciesism. http://www.richardryder.co.uk/speciesism.html.
[10] Peter Singer. Praktische Ethik. Reclams Universal-Bibliothek Stuttgart, 1979.
[11] Peter Singer. Animal Liberation. Die Befreiung der Tiere. Rowohlt Reinbek, 1996.
[12] Think Globally, Act Locally. http://en.wikipedia.org/wiki/Think Globally, Act Locally.
[13] Spiegel-Online. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,78989,00.html, Mai 2000.
[14] Tagesschau.de. http://www.tagesschau.de/wirtschaft/meldung146546.html, Dezember 2005.
[15] taz.de. http://www.taz.de/1/zukunft/wissen/artikel/1/frauensind-anders-auch-fuer-aerzte, September 2009.
[16] Alexander Kaschte (Samsas Traum). Wenn schwarzer Regen, November 2007. Audio CD, Track 9 Wir und sie.
[17] Philosophische Untersuchungen. http://de.wikipedia.org/wiki/Philosophische Untersuchungen.
[18] Shaun Monson, Earthlings, USA 2005.


Kritische Kommentare sind sehr erwünscht, aber bitte bitte lest euch vorher den Text durch. Da könnte so manche Spontananschuldigung von vornerein ausgeräumt werden.

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7 Kommentar(e)
OMB
15.09.2009 - 14:51:48
OK. Hier beispielsweise eine "Baustelle":

Übliches Vorgehen in politischen Diskussionen (und entgegen deinen Beteuerungen ist das politisch, was du schreibst) ist es, sich einen "Pappkameraden" als Gegner aufzubauen, den man mit möglichst schwachen Argumenten austattet, damit man diese auch schön entkräften kann.

Das machst du mit Sexismus und Rassismus, bzw. Anit-Sexismus und -Rassismus. Erstmal ist natürlich die Annahme, es gebe den Anti-S.und den Anti-R. fahrlässig vereinfachend. Schau dir mal die verwschiedenen Strömungen des Feminismus an, die allein Wikipedia aufführt. Die schlichte "Gleichberechtigung" der Geschlechter wird dabei nur von einer Minderheit vertreten.

Das als "Gleichmacherei" zu denunzieren, findet sich so - vor allem so, wie du es begründest - zwar nicht in den anderen feministischen Strömungen. Aber es gibt zumindest vergleichbare Argumente dagegen. Du beziehst dich darauf, dass es doch zwei verschiedene Geschlechter gebe. Im feministischen Zsammenhang geht es eher darum der faktischen Ungleichbehandlung (und das heißt eben Schlechterbehandlung der Frauen, 23%Lohndifferenz in Deutschland) gerecht zu werden.

In den radikaleren Ansätzen geht es darum "Geschlecht" als gesellschafftlich konstruierte Kategorie zu verstehen. Ich weiss, dass das ne harte Nuss ist, weil sich der "gesunde Menscheverstand" dagegen sträubt. Deshalb wechsel ich hier mal lieber zu deinem anderen Pappkameraden, dem (Anti-) Rassismus, bei dem es ähnliche Probleme gibt.

Du plädierst dafür keine "Rasse", kein "Volk", keine "Kultur" für besser als eine andere zu halten. Jede hätte ihre Eigenheiten und ein Recht auf diese Eigenheiten. "Diese Merkmale dürfen verteidigt werden gegen Infiltration und Assimilierung unter Berufung auf das Identitätsrecht. Allerdings nur solange das Individuum konsistent ist und das gleiche Recht von Mitgliedern anderer Kulturen und Völker anerkennt."

Im 19. Jahrhundert waren Rassetheorien ja noch "wissenschaftlich hoffähig" - da noch nicht durch den NS diskreditiert (obwohl sie eigentlich der Kolonialismus hätte diskreditieren müssen, aber egal). Und schon in diesen Theorien der wissenschaftlichen Legitimation des Rassismus gab es Leute, die genaus diese Ansichten vertreten haben.

Aber man muss sich nur mal überlegen, was passiert, wenn ich die "Verantwortung jedes einzelnen Menschen gegenüber dem Kollektiv" zusammennehme mit dem "Recht auf Verteidigung gegen Infiltration und Assimilierung", und eine "weiße" Frau mit einem "schwarzen" Mann ein Kind haben möchte. "Rassenschande" nannten das die Nazies, und das ist die logische Konsequenz auch aus deiner Ideologie.

Und auch hier hast du die Stossrichtung von Anti-Rassismus verfehlt (auch hier gibt es wieder verschieden antirassistische Strömungen). Und auch hier gilt es der Tatsache ins Gesicht zu sehen, dass das tragende Element des Rassismus, nämlich die "Rasse" ein gesellschaftlich-politisches Konstrukt ist.

Niemand bezweifelt, dass es unterschiedliche Hautpigmentierungen gibt. Aber wenn man sich mal deren statistische Verteilung von Nordeuropa bis nach Zentralafrika anschut, sieht man, dass es sich dabie um einen Kontinuierlische Übergang handelt. Und das irgendwo einen Schnitt zu machen und eine "Rassengrenze" zu behaupten und damit verbundene - über die reine Hautfarbe hinausgehe - Eigenschaften zu verknüpfen, ist einfach nur willkürlich. Naja, nicht wirklich willkürlich, da damit ja immer politische und ökonomische Verhältnisse legitimiert werden sollten.

Dann von "Rasse" auf "Volk" oder "Kultur" auszuweichen, wie es in letzter Zeit sehr beliebt ist - gerade auch unter denen, die du als "Gutmenschen" bezeichnest - ist allerdings auch keine Lösung. Auch hier werden wieder willkürliche Grenzen gezogen und die Menschen diesseits und jenseits der Grenze auf ein betimmtes Klischee reduziert und von dir auch noch dazu verpflichtet "Verantwortung" gegenüber diesem Klischee zu übernehmen.

Beliebtes Beispiel dafür die Moslems bzw. die Araber. (Ich find's ja immer lustig, wenn die Leute damit durcheinander geraten, aber das ist ne andere Geschichte.) Da Gibt es dann die eine Seite, die sagt, alle Moslems ünterdrücken die Frauen, deshalb müssen wir das Kopftuch verbieten / die Bundeswehr entsenden. Und die andere Seite, die sagt, das liegt in deren "Kultur" und da dürfen wir uns nicht einmischen, sollen sie doch ihre Mädchen beschneiden.

So. Das war jetzt schon wieder viel zu viel auf einmal. Und dabei ist das nur eine (naja, vielleicht zwei) Sache, die ich an deinem Text auszusetzen habe.
Keller
15.09.2009 - 17:43:57
Danke für die Antwort. Wenn dir mehr einfällt, kannst du es gerne schreiben. Zum bisherigen:

"...gerecht zu werden."
Ich argumentiere nicht gegen Anti-R's und Anti-S's, sondern dafür. Sie sind super und vorbildlich von Leuten definiert, die Ahnung davon haben, und sicher mehr als ich.
Aber es geht ja nicht um Lexikondefinitionen, wie geschrieben. Ich werfe den Leuten vor, sich nicht an die korrekten Definitionen zu halten und viel zu oft vereinfachend Gleichberechtigung mit Gleichbehandlung zu verwechseln. Meine Basis ist die intuitive Definition, mit der man permanent konfrontiert wird, und das ist meiner Erfahrung nach "alle sind gleich". Daraufhin argumentiere ich gegen diesen Irrtum. Wenn du findest, dass dieser Irrtum erst gar nicht existiert, um so besser. Später komme ich auch darauf zurück, dass die Schlechterbehandlung der eigentliche Sexismus ist, gerade vom Prinzip der gleichen Interessensabwägung her gesehen. Das Identitätsrecht ist die Verallgemeinerung der Schlechterbehandlung, denn Benachteiligung verletzt das Prinzip der gleichen Interessensabwägung., darauf möchte ich hinaus. Deswegen gebe ich dir natürlich recht.

"..."Geschlecht" als gesellschafftlich konstruierte Kategorie zu verstehen."
Dass das Unsinn ist, steht für mich außer Frage.

"... die genaus diese Ansichten vertreten haben."
Bitte keine billigen Totschlagargumente. Begründe lieber selbst, was daran schlecht ist., ohne mir mit ein paar Schlagwörtern einfach mal den Satan anhängen zu wollen.

"... die logische Konsequenz auch aus deiner Ideologie."
Nein, das ist eine totale Fehlinterpretation "meiner Ideologie". Nirgendwo erwähne ich mit einem Wort konkrete Anwendungen dieser Idee, oder dass irgendjemand Regeln aufstellen und darüber bestimmen darf. Im Gegenteil, ich verweise auf Selbstbestimmung und sage:

Die Lösung ist, das Identitätsrecht in der Theorie anzuerkennen und ihre konkreten Schlussfolgerungen in den allgemeinen Diskussionsraum zu stellen, beziehungsweise jedem selbst zu überlassen. Manchen Menschen ist ihre Identität vielleicht egal, andere würden sehr weit gehen, um sie zu schützen. Dürfen tun sie, allerdings nur unter bestimmten Bedingungen. [siehe Anti-Ethnozentrismus]

Wenn in deinem Beispiel sowohl die Frau als auch der Mann kein Problem damit haben, sollen sie doch, bitte, gerne. Wenn aber jemand sagt, er würde sowas nie machen wollen aus den genannten Gründen, dann hat er ebenso das Recht dazu. Das macht ihn nicht zu einem bösen Teufel, er definiert nur seine Identität darüber und möchte sie schützen, und das darf er. Wenn ihm aber ähnliche Dinge mit Gewalt aufgezwungen werden, dann darf er sich auch verteidigen und dagegen protestieren, unter den genannten Bedingungen. Das meine ich.

"...die "Rasse" ein gesellschaftlich-politisches Konstrukt ist."
Das ist sicher streitbarer als die Sache mit dem Geschlecht, klar, aber keine Tatsache. Ich persönlich behaupte zwar, dass es Rassen gibt, und dass das nichts schlimmes, sondern etwas wahnsinnig bereicherndes für uns ist. Aber wenn du die Existenz von Rassen negierst, kannst du das auch tun. Dann gehört "Rasse" halt nicht zu deiner persönlichen Identität. Siehe Selbstbestimmung oben.

Anscheinend nimmst du an, dass ich nach Authoritäten schreie, welche die Ideen in diesem Artikel mit Gewalt umsetzen. Warum? Mein Kommentar soll am besten "als Inspiration für eigene Überlegungen dienen", wie gesagt. Die Diskussionen um konkrete Anwendungen (zB. sollen wir Kopftuch verbieten?) folgt hernach. Meiner Meinung nach wird dem Identitätsschutz bei diesen Diskussionen nur viel zu wenig Mitspracherecht eingeräumt.
Zu deinem Beispiel mit den Mädchen: Beschneidung verletzt das Merkmal der Leidensfähigkeit der Kinder. Nichtbeschneidung verletzt das Merkmal der Tradition von wem auch immer. Dreimal darf man raten, was schwerer wiegt. Ob wir als Europäer intervenieren dürfen ist eine völlig andere Diskussion.

Ich hoffe die Antworten waren angemessen. Schreib doch auch ein paar Baustellen zum Anti-Speziesismus oder Odalismus, das würde mich besonders interessieren.
Jan
15.09.2009 - 18:11:32
Jetzt muss ich meinen Senf auch mal dazu geben:

Den Aufsatz finde ich sehr spannend und das Thema ist in Deutschland natürlich sehr leicht in die Nazi-Ecke abzuschieben. Jedem, der hier allerdings mehr als nur oberflächlich hinschaut, sieht, das genau dies kompletter Unsinn ist.

Zu den sozialen Geschlechter- und Rassenrollen:
Vermutlich ist die soziale Komponente dort weitaus stärker vertreten, als man üblicherweise annimmt. Man wird ja schon von klein auf als Junge oder Mädchen erzogen. Die Biologie spielt dann ja noch kaum eine Rolle.
Ob diese Unterschiede jetzt sozial bedingt oder angeboren sind, klar begrenzt oder fließend spielt doch keine Rolle. Fakt ist, dass sie existieren, was wohl wenige leugnen, und das ist doch auf keinen Fall etwas negatives.

So wie ich das verstehe gibt es ja auch keine Klischees, in die Leute hineingesteckt werden. Jeder weiß doch selbst, welche Interessen er berücksichtigt haben möchte und welche ihm egal sind.
JAH
16.09.2009 - 16:08:27
Shalom!
Bei den vielen Wortneuschöpfungen ("Reichisten") dachte ich erst, dass das eine Satire wäre - dafür ist der Text aber eindeutig zu lang. Ich halte ihn jetzt einfach mal für ernst gemeint und ziehe an dieser Annahme auch mein Feedback auf.

Ein wesentlicher Knackpunkt in deiner Argumentation scheint für mich zu sein, dass du den Fehler in der Speziesismus-Definition von Ryder in der Vermenschlichung der Tiere siehst (soweit d'accord), andererseits scheint dich die Vermenschlichung der Tiere in der Redefinition bei SInger nicht zu stören.
Hier wird Tieren eine Identität zugesprochen, was für die weitere Argumentationskette notwendig ist, um den Umkehrschluss zu den Menschen und zum Rassismus und Sexismus hinzubiegen. Das ist waghalsig, weil aus meiner Sicht Identität in Bezug auf Menschen etwas anderes meint, als in Bezug auf (andere) Tiere. Was ist bei letzteren überhaupt mit "Identität" gemeint? - inhärenter Katalog von Eigenschaften und Interessen...gemäß ihrer Natur als Angehörige ihrer Spezies. Diese NAtur ist NICHT VARIABEL. Auch das im Text als Beispiel dienende Schwein, bleibt ein Schwein, wenn man es in Kleidung steckt. Diese Identität, also die unveränderliche Natur der Tiere als parallel zu den Identitäten der Menschen (als Angehörige einer Rasse oder eines Geschlechts) zu sehen ist wiederum eine unzulässige Anthropomorphisierung oder besser gesagt eine "Zoomorphisierung" der Menschen wiederum. Denn die menschliche Identität ist nicht angeboren, sondern askriptiv; nicht unveränderbar, sondern variabel. Assimlierung - gegen welche nach deiner Meinung Verteidigung gerechtfertigt ist - ist meistens ja nichts zwanghaftes, sondern ein ganz normaler, langfristiger und freiwilliger Prozess.
Du strickst eine Parallele der Relation von verschiedenen Spezies im Tierreich zu der Relation verschiedener Rassen der Menschheit. Aber der Vergleich hinkt. Rassen sind soziale Konstrukte, wie OMB schon gesagt hat. Das heißt nicht, dass hier irgendjemand "die Existenz von Rassen negiert" ( Geld ist auch "nur" ein soziales Konstrukt, aber wer auf dieser Erkenntnis versuchen würde, die Nicht-Existenz des Geldes zu proklamieren und sein Leben danach auszurichten, würde auf so gut wie unüberwindliche Widerstände stoßen) , sondern nur dass die mit der Vorstellung von Rassen verbundenen Grenzziehungen von der dominanten gesellschaftlichen Definition abhängig ist und daher diese sich im historischen Verlauf auch extrem rasch verändern können (Beispiel: In den USA unterschied man um 1900 drei "Hauptrassen": Weiße, Iren und Schwarze).

Leidensfähigkeit und Recht auf Leben:
Gegen diese Prinzipien wird in der Tierwelt ja andauernd verstoßen. Es ist Teil der "Identität" (wie es hier genannt wird) einer Raubkatze leidensfähige Tiere auf (in menschlichen Augen) sadistische Weise zu quälen und zu töten, um sich zu ernähren. Es ist Teil der "Identität" einer Schlupfwespe, ihre Eier in eine Raupe zu legen, in der die Larven dann schlüpfen und die sie anschließend von innen heraus komplett auffressen.
Warum soll nun der Mensch also kein Fleisch essen? Zumal es in vielen Weltgegenden Teil der Kultur und damit der (in deinen Augen schützenswerten) Identität ist! Die industrielle Massenfleischproduktion steht da doch auf einem anderen Blatt, aber um da die Probleme zu erkennen, muss man kein Tierrechtler sein!

Zu guter Letzt.
Mir ist nicht ganz klar geworden, wozu man den Odalismus für das Verständnis als Teil eines Ganzen braucht, bzw. was der Mehrwert eines solchen gegenüber jeder anderen Eso-Ideologie ist. Oder allgemein: was Odalismus und Neuheidentum genau sind und genau wollen. Das war hier aber auch nicht der Sinn des Aufsatzes, insofern freue ich mich mal auf weitere Texte aus deiner Feder!
Hochachtungsvoll
JAH
Keller
05.12.2009 - 10:34:38
Danke für deine Antwort.

Anders formuliert: Mit Identität ist die Menge der natürlichen und selbstgegebenen Eigenschaften gemeint. Bei Tieren sind das nur die natürlichen (zB. Leidensfähigkeit).
Du meinst, die Identität eines Menschen ist vollständig variabel? Was ist mit "Geschlecht" oder "Ethnie", ist das nicht angeboren und unveränderbar?
Für dich (und OMB) anscheinenend nicht. Ihr bezeichnet diese Eigenschaften als rein "soziale Konstrukte", die jeder nach Belieben ändern kann. Eurer Meinung nach erhält jemand das Attribut "Deutsch", wenn er einen deutschen Pass in der Hand hat, nicht wahr?
Der Meinung bin ich nicht. Bestimmte Unterschiede zwischen Menschengruppen wurden zwar künstlich errichtet und verstärkt und dienten ihrer Ungleichberechtigung (nicht Ungleichbehandlung), aber das ändert nichts an der grundsätzlichen Existenz von Verschiedenheit. (In der Linguistik müssen wir übrigens auch zwischen festen Attributen eines Wortes (zB. Genus) und veränderbaren (zB. Kasus) unterscheiden und entsprechend verschieden in ein praktisches System implementieren, das nur als nette Parallele)
Es ist natürlich schwer, Grenzen zu ziehen (zB. zwischen "Iren" und "Weiße"), aber überhaupt nicht schwer, bereits existierende Grenzen zu erkennen. Stell dir selbst die Frage: Bist du ein amerikanischer Ureinwohner? Nein? Dann existiert mindestens eine von dir verschiedene menschliche Gruppe. Ob das irgendwie Relevanz hat (gesellschaftlich, politisch oder was auch immer), liegt in der individuellen Interpretation dieses Unterschiedes. Ich sage, es hat kulturelle Relevanz und rechtfertigt auf gar keinen Fall eine Schlechterbehandlung der anderen Gruppe. Ich glaube, du willst die Begriffe "Rasse" und "Geschlecht" (unter anderem) negieren, damit ja niemand auf die Idee kommen könnte, Unterdrückung ("Rassismus", "Sexismus") in den Unterschied hineinzuinterpretieren, hab ich Recht?
Das ist versuchte Entmündigung aller Menschen und Raub ihrer kulturellen Unterschiede. Und das ist genau das Problem.

Zu den Tierrechten: Denk daran, es geht um Interessensabwägung, nicht einfach nur um Respektierung anderer Interessen! Ein Carnivor braucht Fleisch um zu überleben. Dieses Interesse konkurriert auf gleicher Ebene mit demselben Interesse seiner Beute.
Beim Menschen kann man argumentieren, dass der Konsum der Ware Tier (heute) nicht mehr lebensnotwendig ist. Tierprodukte können heute auf wichtige Lieferanten von B12 reduziert werden, bei Frauen zusätzlich noch Eisen (womit wir wieder beim Unterschied der Geschlechter wären). Beides lässt sich mit Ergänzungsmitteln auffangen, die ohne Verletzung tierischer Interessen hergestellt werden können.
Falls man die Meinung vertritt, dass das Überleben das höchste aller Interessen sei (zumindest höher als das Interesse an Genuss), dann folgt heute eigentlich der Verzicht auf Tier. Das ist zwar nicht natürlich, aber technisch möglich.

Als Asatru könnte diesen Fortschritt so interpretieren: Þórr (der Mensch) hat mit seinem Hammer (die Wissenschaft) einen weiteren Riesen (sinnloses Leiden) erschlagen, der Miðgarðr (die Zivilisation) bedrohte.
(diese Aussage wäre natürlich kein ernstzunehmendes Argument in irgendeiner Diskussion, keine Sorge ;))

Womit wir bei deinem letzten Punkt wären: Texte (Meinungen) über das Neuheidentum folgen hier noch. Meine Auffassung darüber ist ja auch noch in der Mache. Kein Mensch hat die Weisheit mit irgendeinem Tafelbesteck zu sich genommen.

Zum Odalismus: Ich muss mich korrigieren und OMB nachträglich recht geben. Odalismus ist politisch. Es ist eine von vielen möglichen politischen Interpretationen des Neuheidentums. In diesem Fall handelt es sich um eine, die sich an den Ethnopluralismus lehnt. Zum besten, wie ich finde.
Und es handelt sich nicht um eine "Eso-Idelogie"! Der Begriff "Odalismus" ist eine Referenz auf eine Menge von oben beschriebenen Inhalten, keine Hokuspokus-Weltanschauung die sich auf übernatürliche, spirituelle oder sonstwie irrationale Behauptungen stützt. Ich sage das nur, weil sich deine Worte so anhören, als würdest du es mit der "Violetten Partei" in einen Topf schmeißen wollen. Der Odalismus ist sachlich diskutierbar und soll als Teil der Diskussionskultur respektiert werden.
JAH
08.12.2009 - 03:22:57
Guten Tag Keller,

anscheinend ist hier noch ein massives Missverständnis im Raum. Wenn ich oder OMB schreiben, dass „Rasse“ oder „Geschlecht“ soziale Konstrukte sind, heißt das weder, dass wir diese Eigenschaften negieren wollten, noch dass wir die Existenz von Unterschieden verneinten. Und auch nicht, dass sie „frei wählbar“ wären.
„Geschlecht“ ist biologisch sehr eindeutig festgeschrieben, durch das, was man in der Hose hat. Das ist aber nicht das Ende vom Lied. Dazu kommen Rollen- und Verhaltensmuster die der biologischen Zugehörigkeit zu einem Geschlecht angehängt sind (im Englischen der Unterschied zwischen „sex“ und „gender“). Die sind nicht naturgegeben, sondern werden von Individuen im Laufe ihrer Sozialisation internalisiert – und variieren je nach kulturellem Rahmen. Welches Verhalten die Gesellschaft von einem Mann oder einer Frau erwartet, variiert nach Raum und Zeit.
Und natürlich haben diese gelernten Rollenmuster massive Auswirkungen, in manchen Situationen wohl auch größere als die biologische Zugehörigkeit.
Was „Rassen“ angeht, ist das im Prinzip das gleiche: Dass ein Sub-Sahara-Afrikaner dunklere Haut hat als ein Mitteleuropäer lässt sich nicht leugnen. Welche Rolle das dann tatsächlich spielt, hängt von der gängigen gesellschaftlichen Definition ab. Bei Hautpigmentierung gibt es fließende Übergänge, wo „weiß“ aufhört und „schwarz“ anfängt, ist wiederum sozial konstruiert.
Beispiele:
ich habe mich mit einem Freund über den Hutu-Tutsi-Konflikt in Ruanda, Burundi und Ost-Kongo unterhalten; sein Tenor war, er verstehe diesen Rassenhass nicht, für ihn seien das „doch alle Neger“.
Umgekehrt wird in manchen afrikanischen Sprachen für die Pygmäen wegen ihrer etwas helleren Haut das gleiche Wort wie für „Weiße“ (i.S.v. Europäer) benutzt, während wir Weiße sie wohl ohne großes Nachdenken als „Schwarze“ ansehen würden.
In Kamerun sind die Fernseh-Nachrichten aus Mangel an Geld für Auslandskorrespondenten und Kamerateams gezeichnet. Der Mischling Obama wird dort als beinahe weiß dargestellt, während er für unsereiner als „der erste schwarze Präsident“ gilt.

Also: die Grenzziehungen und damit die Zugehörigkeiten sind abhängig vom Standpunkt und der gesellschaftlich durchgesetzten Definition.
Würde ich spontan nach meiner ethnischen Zugehörigkeit gefragt, würde ich natürlich sagen „Deutsch“. Erstens habe ich die deutsche Staatsangehörigkeit, zweitens ist Deutsch meine Muttersprache – und das sind wohl die heute gängigen Kriterien. Bei den Nazis wäre ich damit allerdings nicht durchgekommen, zumindest hätte ich keinen „Arierausweis“ bekommen, weil damals zu der gängigen Definition, wer Deutscher ist und wer nicht, eben auch eine einwandfreie Abstammung gehörte.
Merke: die Kriterien ändern sich. Das meinte ich mit variabel, nicht dass ich mir meine Zugehörigkeit frei aussuchen könnte! Wenn ich nun hergehe und fortan behaupte, ich sei Russe, dabei sogar auf eine Abstammung von altem russischen Adel verweise – so wird dies in der Regel vom Umfeld überhaupt nicht akzeptiert – ich erfahre von der Gesellschaft Widerstand, wenn ich gegen ihre geltenden Definitionen verstoße.

Aber gerade der Begriff „Ethnie“ sticht durch eine extreme Schwammigkeit hervor. Würdest du sagen, Deutsche und Österreicher sind zwei verschiedene Ethnien? Und was sind dann die Schweizer?
Wenn vom Irak berichtet wird, ist oft von drei Ethnien die Rede: Sunniten, Schiiten und Kurden. Bei den ersten zwei ist also die Konfession das ausschlaggebende Unterscheidungsmerkmal, während die dritte Gruppe in sich konfessionell vollkommen heterogen ist, aber sich immerhin sprachlich von den beiden ersten absetzt. In Deutschland käme heute wohl keiner auf die Idee, bei Katholiken und Protestanten von „Ethnien“ zu sprechen, Konfession hat als Unterscheidungsmerkmal seine soziale Relevanz verloren, in der Schweiz Sprache wohl schon seit langem, während sich die Gesellschaft in Belgien erst seit 30 Jahren entlang der Sprachgrenze spaltet. Die Verschiedenheit in der Sprache war schon vorher da, aber lange Zeit war es einfach zweitrangig ob man Französisch oder Niederländisch als Muttersprache hatte – man war halt Belgier und solange man die Deutschen und die Franzosen gemeinsam genug hassen konnte, reichte das auch aus.

Du hast eine sehr sehr eigenwillige Definition von Identität. Menschen „identifizieren“ sich mit einer Gruppe, mag es nun eine „Ethnie/Volksgruppe“, ein Staat, ein Dorf oder die Anhängerschaft eines Fußballvereins sein. Identität heißt damit auch immer die ABGRENZUNG von anderen Gruppen, wobei UNTERSCHIEDE betont und eventuell antithetisch polarisiert werden, während die Gemeinsamkeiten systematisch ausgeblendet werden.
Nun kommt von dir die Aussage, die Leidensfähigkeit sei Teil der „Identität“ eines jeden Tieres. Wenn nun jedes Tier leidensfähig i
JAH2
08.12.2009 - 03:27:32
Du hast eine sehr sehr eigenwillige Definition von Identität. Menschen „identifizieren“ sich mit einer Gruppe, mag es nun eine „Ethnie/Volksgruppe“, ein Staat, ein Dorf oder die Anhängerschaft eines Fußballvereins sein. Identität heißt damit auch immer die ABGRENZUNG von anderen Gruppen, wobei UNTERSCHIEDE betont und eventuell antithetisch polarisiert werden, während die Gemeinsamkeiten systematisch ausgeblendet werden.
Nun kommt von dir die Aussage, die Leidensfähigkeit sei Teil der „Identität“ eines jeden Tieres. Wenn nun jedes Tier leidensfähig ist, wie kann das dann seine Identität sein, wenn zB das Schwein sich in seiner Leidensfähigkeit vom Menschen IN NICHTS UNTERSCHEIDET.
Es scheint mir ein einfacher Taschenspielertrick, den Begriffen einfach neue Definitionen zuzuweisen, so dass sie auf die eigene Argumentationskette passen .Genau das tust du, wenn du jetzt behauptest:

„ Mit Identität ist die Menge der natürlichen und selbstgegebenen Eigenschaften gemeint“

Im gängigen Sprachgebrauch meint Identität nun einmal die Betonung des Unterschieds, nicht der Gemeinsamkeit. Zweitens leuchtet mir auch nicht ganz ein, wozu du diese Neudefinition vorgenommen hast. Das erlaubt dir zwar eine Parallele zwischen Tierarten auf der Ebene der Zoologie einerseits und Ethnien auf der Ebene der Menschheit andererseits zu ziehen, aber dabei stützt weder das eine Beispiel deine Argumentation auf der anderen Ebene noch umgekehrt.

Naja, zumindest lassen sich Tierarten in der Zoologie recht einfach und eindeutig bestimmen, als Summe der Individuen, die untereinander fortpflanzungsfähige Nachkommen zeugen können. Das steht unumstößlich fest, wie in Stein gemeißelt.
Nun ist der Unterschied zwischen Menschenrassen und Ethnien halt nicht biologisch gefixt, sondern soziokultureller Natur, nicht von der Natur gegeben, sondern von Menschen gemacht. Es macht den Eindruck, du würdest sie gerne als ähnliche fixe Konstanten sehen. Aber – um in deiner Parallelisierung zu bleiben – Kulturen können untereinander „fortpflanzungsfähigen Nachwuchs“ im kulturellen Sinne zeugen, das geschieht jeden Tag, war immer so und wird wohl auch so bleiben. Kulturen beeinflussen sich ständig untereinander, entweder, wenn sie sich vermischen, aber auch wenn sie im Falle des kulturellen Konflikts (Beispiel: Abendland vs. Orient) zunehmend als antithetischen Gegenpol des „Anderen“ begreifen.
Kulturelle Beeinflussung geschieht nun mal weder so richtig gezwungen, noch vollkommen freiwillig und nur höchst selten als Ergebnis einer vom Individuum reflektierten Wahl.
Wie du auf die Idee kommst, mir „ versuchte Entmündigung aller Menschen und Raub ihrer kulturellen Unterschiede“ vorzuwerfen, ist mir vollkommen schleierhaft.
Ich propagiere hier nicht eine Vermischung aller Kulturen als Ideal (falls das dein Vorwurf ist), ich stelle nur fest, dass es Vermischung gibt. Und ich sehe darin auch kein Problem.
Natürlich gibt es auch gezwungene Assimilation, heute wohl am häufigsten bei Naturvölkern beobachtbar, denen der Lebensraum zerstört wird und die Kinder in Heime gesteckt werden. Da kann man ja meinetwegen von einem Verbrechen sprechen, aber ist diese Situation denn auch nur annähernd vergleichbar mit der eines Vietnamesen in Deutschland, dem man ein paar Deutschkurse ans Herz legt? Ich denke nicht.

Zu Fleisch und Tierrechten:

Nach allem was Menschen allein schon sich gegenseitig antun, wäre ich schon froh wenn die Menschheit da einen Schritt Richtung Zivilisation weiterkommen würde, bevor ich mir um die Rechte und die Leidensfähigkeit der Tiere Sorgen mache.

Klar ist: Fleischkonsum ist ans Töten gekoppelt. Tiere töten Tiere, Leid ist an der Tagesordnung, das ist Natur, so funktionieren Ökosysteme. Menschen haben schon immer Fleisch gegessen, so haben sie die Eiszeit überlebt und so konnten sie Weltengegenden als Lebensraum erschließen wo geringer Niederschlag und schlechter Boden nicht mehr als Gras und Gestrüpp wachsen lässt, das nur Wiederkäuern als Nahrung reicht, die wiederum die Menschen ernähren.
Die Perversion fängt in meinen Augen erst bei der industriellen Massentierhaltung an. In unserer heutigen arbeitsteiligen Gesellschaft verlieren wir den Lieferanten unserer Konsumgüter aus den Augen, wir verlieren die Achtung vor dem Tier – aber auch vor dem Schlachter.
Die Devise lautet: wer Fleisch will, sollte auch töten.

Ach ja, „Eso-Ideologie“ war gewollte Provokation;)

Hochachtungsvoll

JAH