Julzeit 1/4
Das Rad der Zeit
Die Julzeit hat begonnen. Das Julfest, das heidnische Fest der Wintersonnenwende, ist hunderte Generationen alt und kommt nicht von ungefähr. Seine Ursprünge liegen im uralten Sonnenkult der europäischen Völker, die Tod und Wiedergeburt des Lichtes feierten. Im germanischen Streifen von den Alpen bis zum Nordkap spielte der Lichtgott Balder während dieser Zeit die Hauptrolle. In vier Teilen will ich die weihnachtlichen Mythen und Symbole des historischen germanischen Heidentums präsentieren und alte Interpretationen des Stoffes um neue ergänzen. Dabei beginne ich mit der Erklärung der grundlegenden Konzepte des Julfestes. Alles aus meiner Sicht natürlich. Es gibt keine heidnischen Dogmen, also hat dort auch niemand etwas zu bestimmen.
Das wichtigste Prinzip der heidnischen Philosophie ist: Alles ist der Zeit untergeordnet, und diese ist zirkulär.
Ob Tag und Nacht, Vollmond und Neumond oder Sommer und Winter. Das oberste Prinzip der Natur ist die ewige Erneuerung. Alles andere, Pflanzen, Tiere, Mensch und Wetter, sind lediglich Spielball dieser Zyklen. Die induktive Schlussfolgerung daraus war für den historischen Heiden der Glaube an die Wiedergeburt. Selbst der Kosmos und die Götter waren von diesem ewigen Kreislauf nicht ausgeschlossen: Die Skalden erzählen vom Ragnarok, dem Weltuntergang, und der anschließenden Wiedergeburt der Welt im neuen reinen Glanz unter der Führung des Lichtgottes Baldr. Das Weltall wurde als eine Art gigantisches Uhrwerk gesehen, in der sich unzählige kleine Zahnräder drehen, die alle auf dasselbe Ziel hinarbeiten: Die vollständige Rotation des Zeigers auf dem großen Ziffernblatt, das Universum.
Mit jedem dieser Zyklen und Unterzyklen ist eine Rundumerneuerung verbunden, eine vollständige Reinigung von allem unreinen und alten Ballast. Man erhält eine neue Chance, tritt in ein fortgeschritteneres Stadium seiner Existenz ein und kommt Ásgarð (dem Ort der ultimativen Reinheit) ein weiteres Stück näher. Dieses Konzept galt für kleine Kreisläufe genauso wie für große. Beispielsweise war damals Samstag der allgemeine Badetag, damit man den ersten Tag der neuen Woche (Sonntag) möglichst frisch began. Genauso wurden die Toten gewaschen, und ihre Nägel geschnitten, bevor man sie in ihren nächsten Lebenszyklus schickte. Oft wurden sie auch verbrannt, also durch das reinigende Licht Baldrs geschickt.
Symbol für diesen reinigenden Kreislauf ist die lebensspendende Sonne, die sich im Jahreszyklus selbst zu erneuern scheint. Hiermit ist der Wechsel von den immer kürzer werdenden zu den immer länger werdenden Tagen gemeint, die Wintersonnenwende. In der Mythologie wird die Sonne repräsentiert durch den Sonnenwagen, der von der Riesin Sól über den Himmel gezogen wird (siehe auch Sonnenwagen von Trundholm). Sie wurde bei der Erschaffung Miðgarðrs von den nach Ordnung strebenden Göttern (Æsir) an den Himmel gesetzt, um den Verlauf der Zeit zu ermöglichen. Sóls Reise steht für ewigen Kreislauf und stetigen Fortschritt, dessen uraltes Zeichen das sich im Uhrzeigersinn drehende brennende Sonnenrad ist.
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Quelle: http://www.wikipedia.org
Als Sonnensymbol ist das Rad im Norden seit der jüngeren Bronzezeit belegt. Das Wort Jul selber stammt von vom urgermanischen hwêlaz (Rad, Scheibe), und wurde ua. zum altnordischen hjól (oder jól), norwegischen hjul und englischen wheel, welche alle Rad bedeuten. Das friesische jolif (lustig) und englische jolly (froh, munter) stammen ebenfalls von diesem Wort und weisen bereits auf dessen weitergehende Bezeichnung als Feiertag hin.
Die vier Speichen des Julfestrades stehen für die vier Jahreszeiten. Seine vollständige Umdrehung markiert damit das Ende eines Jahres, wenn die Sonne ihren Tiefstand erreicht und die Nacht am kürzesten ist. Dies ist die Wintersonnenwende, oder Julzeit. Das Julfest ist also das Fest des Sonnenrades, wo wir den Beginn der länger werdenden Tage feiern und uns an die ewige Erneuerung erinnern. Dazu werden die Verstorbenen an den Tisch geladen, die Asen und Alben für ein gutes Jahr angerufen und generell eine gute Zeit mit der Sippe verbracht, was sich durch viele Bräuche und Traditionen bis heute erhalten hat.
Davon im nächsten Teil "Alte Bräuche".
Brautingi
29.11.2000n.Hr.
